ADHS – Erfolgreich anders

ADHS-Diagnose
bei Kindern und Erwachsenen

Wenn erstmal der Verdacht ADHS im Raum steht, dann führt fast kein Weg an einer anständigen Diagnose vorbei.

Die psychologische Versorgung für ADHS ist in Deutschland nahezu katastrophal. Nur sehr wenige Psychologen sind auf das Thema ADHS spezialisiert und können auch eine Diagnose durchführen. Leider sind die Warteliste schwindelerregend lang und die Wartezeiten können mal locker ein ganzes Jahr betragen.

Ich bin der Meinung, dass sich der Aufwand trotzdem lohnt, vor allem, wenn ein hoher Leidensdruck dahinter steht.

Denn nur mit einer offiziellen Diagnose hat man auch Zugang zu Medikamenten, Therapie, Antrag auf Behinderungsgrad, staatliche Unterstützung und vieles mehr.

In diesem Artikel möchte ich euch gerne einen kleinen Überblick über den Diagnoseablauf geben. Ich habe den Verlauf für Kinder und Erwachsene zusammengestellt, aber es gibt nur kleine Unterschiede in den grundlegenden Ablauf.

Wichtig, der Artikel ist allgemein formuliert und die Abläufe können von Arzt zu Arzt verschieden sein.

Viel Spaß beim Lesen!

ADHS, oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung kann sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen kann. Es ist wichtig, ADHS frühzeitig zu diagnostizieren, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Diagnose von ADHS bei Kindern:

ADHS wird normalerweise bei Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren diagnostiziert, wenn die Symptome erstmals auftreten. Der Diagnoseprozess bei Kindern beinhaltet normalerweise eine umfassende Bewertung durch einen Kinderarzt, einen Kinderpsychologen oder einen Kinderpsychiater. Hier sind einige Schritte des Diagnoseprozesses bei Kindern:

Erstes Gespräch:

Der erste Schritt ist ein Gespräch mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten des Kindes, bei dem die Symptome und die Familiengeschichte besprochen werden. Der Arzt oder die Ärztin wird auch Fragen stellen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Es ist vorteilhaft,wenn bei den Gesprächen alle Elternteile bzw. Erziehungsberechtigten teilnehmen.

Bewertung der Symptome:

Der Arzt oder die Ärztin wird das Verhalten des Kindes bewerten, um festzustellen, ob es ADHS-Symptome aufweist. Hierbei kann es sich um Verhaltensbewertungen handeln, die von Lehrern oder anderen Betreuern und den Eltern oder Erziehungsberechtigten ausgefüllt werden.

Falls es schon vorher Verhaltensbewertungen gab (Entwicklungsgespräche Kita, Sozialarbeiter in der Schule oder ähnliches) dann die auch am besten zum ersten Gespräch schon mitbringen.

Körperliche Untersuchung:

Eine körperliche Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Es gibt einige Krankheitsbilder, die ADHS ähnliche Symptome auslösen können.

Weitere Tests:

In einigen Fällen kann der Arzt oder die Ärztin weitere Tests durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Hier könnten zum Beispiel Intelligenztests oder ähnliches stattfinden.

Feedback und Behandlung:

Nach Abschluss der Diagnose wird der Arzt oder die Ärztin das Ergebnis mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten besprechen und eine geeignete Behandlung empfehlen.

Auch hier wieder am besten alle Beteiligten sollten hier dabei sein. Es ist auch sinnvoll, sich vorab über ADHS-Unterstützungen zu informieren, um diese beim Arzt ansprechen zu können.

Diagnose von ADHS bei Erwachsenen:

ADHS bei Erwachsenen wird oft nicht diagnostiziert, da die Symptome häufig mit Stress oder anderen psychischen Erkrankungen verwechselt werden. Der Diagnoseprozess bei Erwachsenen beinhaltet normalerweise eine Bewertung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin für Psychiatrie oder Neurologie. Hier sind einige Schritte des Diagnoseprozesses bei Erwachsenen:

Erstes Gespräch:

Der erste Schritt ist normalerweise ein Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, bei dem die Symptome und die Familiengeschichte besprochen werden. Der Arzt oder die Ärztin wird auch Fragen stellen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Hier ist es sinnvoll schon vorab so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen (Zeugnisse, Verhaltensbewertungen, psychologische Gutachten) und auch mal nahe Verwandte oder Freunde zu befragen, ob ihnen ADHS typisches Verhalten aufgefallen ist.

Diagnosekriterien:

Der Arzt oder die Ärztin wird die Diagnosekriterien für ADHS besprechen und sicherstellen, dass die Symptome des Patienten oder der Patientin diese Kriterien erfüllen.

Verhaltensbewertung:

Um die Symptome von ADHS zu bewerten, kann der Arzt oder die Ärztin Verhaltensbewertungen oder Fragebögen verwenden, die speziell für die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen entwickelt wurden.

Es gibt eine ganze Menge ADHS-Tests im Internet. Wichtig, die sollten nur zu Einschätzung dienen und sind kein Ersatz für ein offizielle Testung, aber sie geben einen guten ersten Eindruck, wie der Fragebogen aussehen kann. (ein guter Anfang ist die Symptom-Checkliste mit Selbstbericht-Skala für Erwachsene mit ADHS  Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS-v1.1) von der WHO)

Körperliche Untersuchung:

Eine körperliche Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Hier sollte unbedingt ein EKG stattfinden, um zu schauen, ob eine Behandlung mit Stimulanzien möglich ist. Denn diese Medikamente können den Blutdruck anheben, dafür sollte das Herz-Kreislaufsystem möglich fit sein.

Es kann sein, dass Teile dieser Test auch vom Hausarzt durchgeführt werden können.

Weitere Tests:

In einigen Fällen kann der Arzt oder die Ärztin weitere Tests durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Feedback und Behandlung:

Nach Abschluss der Diagnose wird der Arzt oder die Ärztin das Ergebnis mit dem Patienten oder der Patientin besprechen und eine geeignete Behandlung empfehlen.

Auch hier sollte man sich vorab auch schon informieren, welche Behandlungen es gibt und welche du gerne ausprobieren möchtest. Es gibt kein one fits all hier. Bitte traue dich alle Fragen zu stellen, vielleicht die auch schon vorher sammeln und unbedingt aufschreiben.

Pro Tipp: Mach ein Foto mit deinem Handy oder notiere es dir gleich dort =)

Solltest du egal zu welchem Zeitpunkt der Diagnostik da Gefühl haben, nicht ernst genommen oder nicht ausreichend genug untersucht zu werden, dann scheue dich nicht das anzusprechen oder die Behandlung abzubrechen und einen anderen Arzt zu suchen.

Falls du weiter Fragen zur Diagnostik von ADHS hast und vielleicht auch meine Unterstützung möchtest, dann schreib mir doch einfach eine Mail.

Bitte schreib doch gerne deine Ergänzungen oder eigenen Erfahrungen in die Kommentare.

Ich freue mich auf dich.

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